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Die Schlafwandler

Die Schlafwandler


Der Beginn – erste Maßnahmen

Das Virus traf auf ein unvorbereitetes Immunsystem und auf eine unvorbereitete Politik. Man hätte vorbereitet sein können. Panisch wurden Maßnahmen getroffen, die in ihren Auswirkungen die pandemische Bedrohung schnell übertrafen. Innerhalb von Tagen wurde im März 2020 weltweit ein Kreislauf in Gang gesetzt, medial durch globale Informationssysteme angeheizt, der das kommende Jahrzehnt, vielleicht Jahrzehnte grundlegend verändern wird. Dieselben Politiker, die unvorbereitet in die Krise gingen, setzten nun demokratische Rechte in einer noch nie dagewesenen Weise aus. Dies wurden durch die Rettung vieler Menschen gerechtfertigt. Kompromisslos altruistisch wurde der Wert jedes einzelnen Menschenlebens über wirtschaftliche, soziale, psychische Interessen gestellt. Auch wenn gerade viele dieser besonders vulnerablen Menschenleben ihre Existenz, ihr hohes Lebensalter eben dem hohen Standard unseres Systems verdankten, welches nun geopfert wurde. Dieses System ermöglicht in den letzten Jahrzehnten eine immer höhere Lebenserwartung, auch wenn dies oftmals auf Kosten der Lebensqualität geht. Ein Trend, uns nunmehr besonders verletzlich macht.

Die Medien

Getrieben wurden die immer schärfer werdenden Maßnahmen durch ununterbrochene, mediale Präsentation. Noch vor einigen Jahrzehnten hätte die Pandemie auf Grund des niedrigeren Durchschnittsalters und der fehlenden, globalen Medienvernetzung weit weniger Bedeutung erhalten. Doch nun war die Zeit reif, nicht nur für den biologischen, sondern auch für den medialen Virus. Es ging viral. 24-stündige, globale Aufmerksamkeit, aufbereitet von einem Heer von Experten. Experten, die jede Möglichkeit wahrnahmen, endlich ihre Sichtweise der Dinge, so viele Jahre unbeachtet, zu präsentieren. Politiker, Virus, Experten und die Tatsache, dass nur schlechte Nachrichten erwähnenswert sind, wurden zu einem unheilvollen Mix, der viel mehr änderte, als es dieses Virus alleine je gekonnt hätte.

Kontinentaler Nationalismus

Während es weltweit verschiedene, nationale Zugänge zur Pandemiebekämpfung gab, war der europäische Weg schnell sehr einheitlich, trotz der Wiedererrichtung der nationalen Grenzen. Harter Lockdown war der neue Begriff, angetrieben von Schreckensbildern aus Intensivstationen. Dass die Gesundheitssysteme der Bildlieferanten schon vor der Pandemie marod waren, wurde vergessen. Mit der damaligen Wissenslage konnte es jedes Land treffen. Ganz Europa wurde Bergamo, Millionen von Toten vorhergesagt, Widerspruch wurde sehr schnell zu Fake News abgestempelt. Die Geburtsstunde der Corona Leugner. Jede Regierung, unabhängig von Mehrheitsverhältnissen nahm sich die Legitimation, die Grundrechte ihre Bürger, zum Schutz ihrer Lebenszeit, einzuschränken.

Dekret-kratie

Eine Legitimation, die sich aus der Notlage ableitete, quasi von Gottes Gnaden. Denn in keinem Staat der Union, ausgenommen vielleicht Ungarn, hatte die Bevölkerung tatsächlich der jeweiligen Regierung weder die Zustimmung gegeben, sie in den Häusern einzusperren, noch, eine „koste es, was es wolle“ Verschuldung aufzunehmen. Die Legitimation ergab sich aus dem parlamentarischen Schulterschluss, begründet in der allgemeinen Unsicherheit bezüglich Krankheit und Infektionswege. Und bald zeichneten sich Verhaltensweisen ab, die man nur noch der Vergangenheit zurechnete.

Jedes Abweichen vom Kurs wurde menschenverachtender Verrat an der gemeinsamen Sache, politisch und medial gebrandmarkt, wie der „schwedische Weg“.

Die Streber 1

Ein scheinbar infektionsloser Sommer wurde als Erfolg der Klassenbesten gefeiert, die Warnungen vor dem Herbst und Winter waren bestenfalls halbherzig. Aber wie alle „Streber“ hatten die Klassenbesten den Mechanismus einer Infektion nicht verstanden, und ihre ersten „Lockdown“ Erfolge überbewertet. Denn schon Anfang Herbst zeigte sich, dass der einzige langfristige Erfolg des harten Lockdowns die Zerstörung der Wirtschaft, Anhäufung von Staatsschulden und eine Rekordarbeitslosigkeit mit all ihren psychischen Folgen war.

Der reinigende Zauber des Lock Downs

Doch die Büchse der Pandora war geöffnet. Man hatte auf den Schutz des Lebens, jeglichen Lebens auf Kosten der Lebensqualität gesetzt, ohne die Lebenden zu fragen. „Koste es, was es wolle“, bekam eine neue Bedeutung, und es begann eine unheilvolle Spirale, ein „Lockheed“ Effekt.

Um die bereits entstandenen Kosten zu rechtfertigen, musste der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden. Misserfolge wurden der „sündigenden“ Bevölkerung angelastet, und waren Zeichen, dass man sich nur eben mehr bemühen müsse, die Maßnahmen noch immer zu locker waren. Der einzig richtige Weg wurde von den Propheten der Virologie Abend für Abend in der ZIB2 vorgegeben, verbildlicht in Zahlen und Grafiken, die neuen 10 Gebote.

Dem immer häufiger aufkeimenden Unmut wurde mit Zuckerbrot und Peitsche entgegengetreten. Erleichterungen wurden in Aussicht gestellt, und Woche um Woche verschoben. Man durfte für wochenlangen Konsumverzicht und Ausgangsverbot sogar Weihnachten im Kreise der Familie feiern. Was waren wir dankbar, gerne blieben wir dafür Silvester wieder im Haus.

Covid-meier

Aber jede kleine Erleichterung wurde uns auch vorgeworfen und bald auch wieder verworfen. Alle Rituale des menschlichen Lebens wurden unter Strafe gestellt. Sozial waren plötzlich die Stubenhocker, Einzelgänger, die bisherigen Außenseiter der Gesellschaft. Covid – (Bieder) meier. Obwohl die Infektionszahlen trotz des Winters beinahe so schnell fielen, wie sie gestiegen waren, reichte das nunmehr nicht mehr aus. Ein Wettstreit nach dem besten Inzidenzwert war entbrannt. Mathematiker forderten ihren Platz neben den Virologen ein. Es galt, die rettende Impfung mit den europaweit besten Werten, den wenigsten Toten zu erreichen. Dass dieser von den kapitalistischen Pharmafirmen entgegen jeder Erwartung so schnell gefunden wurde, war ein Geschenk, das alle überraschte. Es befreite die Verantwortlichen zwar vor dem Eingeständnis, keine wirklichen Alternativen für den Lockdown gehabt zu haben, aber nicht von dem Zahlenspiel, dass die Zauberlehrlinge selbst in Gang gesetzt hatten. Jede Nachrichtensendung zeigte, welche Platzierung man im Ranking gerade einnahm. Ob man zu den Verlierern oder Gewinnern der Infektionsvermeidung gehört.

Widerstand

Leider wurde dies von der Bevölkerung immer weniger akzeptiert, Demonstrationszüge wuchsen und die Kollateralschäden wurden immer deutlicher sichtbar. Nicht nur Corona Leugner, sondern Unternehmer, Arbeitnehmervertreter, Psychologen und Eltern meldeten sich vermehrt zu Wort. Der bisherige Weg wurde zunehmend hinterfragt. Die selbsternannten Retter der Menschheit kamen zunehmend unter Druck.

Mutationen

Bis die Mutationen kamen.

Zwar betonen sogar die Virologen, und anderen Experten, dass Mutationen zu erwarten waren und dass die Impfungen falls überhaupt notwendig leicht angepasst werden können.

Doch das Spiel beginnt von Neuem. Wieder wird nicht hinterfragt, wie gefährlich die Mutationen tatsächlich sind, ob sie alle Maßnahmen rechtfertigen. Wieder werden Infektionsszenarien entworfen, die die sowohl psychisch als auch wirtschaftlich so notwendigen Lockerungen in weite Ferne rücken.

Und die einzig mögliche Lösung aufgezeigt, ein letzter Kraftakt, Schulterschluss, Verzicht, ein letzter Monat, um auch um die bisherigen Opfer und Entscheidungen zu rechtfertigen. Nur eine Antwort wird nicht gegeben, kann nicht gegeben werden, was dann?



Fazit

Die Aufarbeitung dieser Pandemie wird Jahrzehnte dauern, und die Geschichte wird unser aller Verhalten beurteilen. Vielleicht hat nicht unser biologisches, sondern unser psychisches, gesellschaftliches Immunssystem versagt. Eigentlich unantastbare demokratische Grundrechte, wurden wie so oft in der Geschichte dem angeblichen oder wirklichen Gemeinwohl geopfert. Die Entscheidungsträger haben reagiert, wie Menschen immer reagieren, panisch, egoistisch, nationalistisch, ängstlich, manipulativ, verschlagen, aber genauso altruistisch und empathisch. Aber nicht rational. Die Wissenschaft diente uns nicht als objektive, sondern als subjektive Entscheidungshilfe, nicht als Information, sondern Manipulation. Zur Durchsetzung der jeweiligen Überzeugung. Der gefühlte Kontrollverlust liegt nicht in unseren Möglichkeiten, sondern in unserer Denkweise. Ich hoffe es nicht, aber vielleicht haben wir, insbesondere in Europa, wie bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts, wieder wie Schlafwandler unserer Zukunft in eine Richtung gelenkt, die vermeidbar gewesen wäre. Und wie damals fragen sich die Nachkommen, wie es denn dazu kommen konnte. Aber irren ist menschlich, und irgendwann lernen wir daraus. Oder die Logarithmen.

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